Samstag, 1. November 2014

Boris Koch auf Blogtour - spannende Abenteuer, dicke Freunde, rasende Kaninchen - Tag 6

Herzlich willkommen um 6. Tag der Blogtour rund um Boris Koch!


Die letzten Tage drehte sich alles um sein aktuelles Buch "Das Kannchenrennen". Über dieses tolle Kinderbuch habt ihr jetzt einiges erfahren. Habt ihr nicht? Dann schaut schnell bei den bisherigen Stationen der Blogtour vorbei, es lohnt sich!:


Montag, 27. Oktober 2014
Rezension von Boris Kochs „Das Kaninchenrennen“  

Dienstag, 28. Oktober 2014
Interview mit Boris Koch 

Mittwoch, 29. Oktober 2014
Eine Beschreibung der Freundschaft zwischen Tim und den beiden Außenseitern Pascal und Lissy http://books.christina-kempen.de

Donnerstag, 30. Oktober 2014
Eine Beschreibung der besonderen Verbindung zwischen Tim und seinem dreibeinigen Kaninchen http://babsleben.blogspot.de 

Freitag, 31. Oktober 2014
Wissenswertes über Kaninchen und deren Haltung mit Fotos vom eigenen Kaninchen sowie Boris Kochs Kaninchen Bobby 

Auch von mir werdet ihr demnächst noch eine Rezension zu dem Buch bekommen. Aber heute tanze ich erst einmal etwas aus der Reihe. Denn bei mir geht es heute nicht um Kaninchen. Nein, Mein Thema ist ein ganz anderes. Denn fast zeitgleich mit dem Kaninchenrennen erschien eine Taschenbuchausgabe von Boris Kochs Buch "Vier Beutel Asche". Und dieses Buch und seine besondere Thematik möchte ich euch heute vorstellen und etwas näher bringen. Denn nicht nur das Kaninchenrennen hat eure Aufmerksamkeit verdient!


Vier Beutel Asche: Die Zeit heilt alle Wunden – oder doch nicht?

Boris Koch - Vier Beutel Asche                                 Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag
  • ISBN-13: 978-3453534681
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren













Christoph ist erst 16 als er auf dem Rückweg von einer Party bei einem Fahrradunfall stirbt. Er hatte getrunken und fuhr ohne Licht. Das Gericht spricht den Autofahrer, mit dem Christoph zusammenstieß, frei. Doch Jan, sein bester Freund, kann das nicht akzeptieren. Es muss jemand schuld sein. Und das kann ja wohl nur der Autofahrer sein, denn Christoph war es ganz bestimmt nicht. Was er auch macht, Jan findet keinen Frieden. Er kann den Tod von Christoph nicht akzeptieren. Und dass alle Erwachsenen um ihn herum sagen, er soll einfach ganz normal weiterleben und die Zeit würde alle Wunden heilen, macht ihn noch wütender. Er will nicht einfach weiterleben. Aber was er ändern soll, weiß er auch nicht. Bis er an Christophs 17. Geburtstag nachts auf dem Friedhof auf Maik, Selina und Lena trifft. Auch sie können Christoph nicht vergessen. Jeden von ihnen verbindet eine andere Geschichte mit ihm. Und zusammen beschließen sie, Christophs letzten Wunsch zu erfüllen: Im Meer bestattet zu werden. Eine abenteuerliche Reise mit vier Plastikbeuteln voll Asche auf zwei Motorollern beginnt, eine Reise, auf der die vier Jugendlichen einiges über Freundschaft und auch über das Trauern lernen.

Die Geschichte ist etwas ganz besonderes, sie ist sehr bewegend. Nicht sehr realistisch und ganz sicher nicht zur Nachahmung geeignet (ich bin sicher Boris Koch möchte niemanden dazu anstiften, Asche zu stehlen), zeigt sie eindrucksvoll, wie schwierig und auch wie individuell trauern ist.
Der Tod fügte jedem einen anderen Schmerz zu, ließ jeden mit anderen Erinnerungen zurück. Warum versuchte man das alles so verzweifelt in eine Schablone zu pressen? Das machte den Toten beliebig. (S. 193)
Die vier Jugendlichen wollen nicht, dass die Erinnerungen an Christoph in eine Schablone gepresst werden. Sie wollen sich nicht mit ihrem Schmerz arrangieren, auch wenn sie von Eltern, Lehrern und allen anderen genau das immer wieder hören. Aber das wollen und können sie nicht akzeptieren.
„Dass die Zeit alle Wunden heilt, ist eine Lüge. Sie lässt einen höchstens abstumpfen. Sich mit etwas zu arrangieren, ist doch keine Heilung, und zu vergessen auch nicht.“ (S. 125)
Ich muss Jan, Maik, Selina und Lena da zustimmen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, ja, man kann sich mit einer solchen Erfahrung arrangieren, man kann irgendwie weiterleben, zum Alltag zurückkehren. Es geht, aber es heilt keine Wunden. Der Schmerz ist nicht immer allgegenwärtig, aber er wird durch diese Methode auch nicht verarbeitet. Er wohnt weiter in einem, kurz unter der Oberfläche, und er droht jeden Moment hervorzubrechen. Eine bestimmte Situation, ein bestimmter Satz, ein Geruch… Es gibt so viel, das einen plötzlich an den Verstorbenen erinnern kann und dann ist die Trauer und der Schmerz sofort wieder da, trifft einen mit voller Wucht.
Mit den Jahren passiert es seltener, aber es hört nie ganz auf. Nein, die Zeit heilt nicht alle Wunden. Und jeder muss sich einen eigenen für sich passenden Weg suchen, mit der Trauer umzugehen.
Trauer ist etwas sehr individuelles und von vielen Faktoren abhängig. Das merkt man auch in dem Buch. Jeder trauert anders, jeder verarbeitet das Geschehene anders und alle haben ganz eigene Probleme. Während die Erwachsenen versuchen zu verdrängen, überspielen die Jugendlichen ihren Schmerz mit einer Geburtstagsparty für Christoph. Sie feiern ihn, gedenken ihm, aber eigentlich ist es eine Party wie jede andere. Den meisten reicht das, aber den vier Protagonisten dieses Buches nicht, denn die hatten eine ganz besondere Beziehung zu Christoph. Und ihre Trauer mischt sich mit ganz verschiedenen Gefühlen.

Da ist Jan, sein bester Freund. Er ist wütend. Wie konnte das passieren? Für Jan ist klar, es muss einen Schuldigen geben. Das Gericht spricht den Unfallgegner frei, sagt, es war nicht seine Schuld, Christoph sei alkoholisiert und ohne Licht gefahren und dabei auf die Gegenfahrbahn geraten. Jan kann und will das nicht wahrhaben. Es kann nicht sein, dass sein Freund die Schuld hat. Es muss der Autofahrer gewesen sein. Und er wird Christoph rächen. Das wird eine fixe Idee, aber Jan zieht seine Rachepläne nie durch. Er schafft es einfach nicht.

Dann ist da Maik. Maik ist ein Skaterkumpel von Christoph. Kein besonders enger Freund, sie rasten nur gelegentlich gemeinsam Downhill. Doch Maik fühlt sich schuldig. Es war sein Fahrrad, mit dem Christoph verunglückt ist. Sein Fahrrad, das zumindest eine Mitschuld am Tod trägt. Warum hat er es Christoph geliehen, obwohl der getrunken hatte und obwohl es kein Licht hatte? Maik kann die Schuld nicht ertragen und beschließt sich auf dem Friedhof an Christophs Grab umzubringen. Jan hält ihn davon ab, aber er ist sich nicht sicher, ob Maik nicht einen neuen Versuch starten wird. Und ist er selbst ein schlechter Freund, weil er nie an Selbstmord gedacht hat?

Selina war Christophs Freundin. Sie hat ihn geliebt und kann ihn nicht vergessen. Sie kann sich nicht mit seinem Tod abfinden und sie ist empört, dass Christophs Eltern sich nicht an den letzten Wunsch ihres Sohnes gehalten haben. Sie weiß, dass er eine Seebestattung wollte, sie weiß, dass es ein Testament gibt, in dem genau das steht, aber die Eltern haben es völlig ignoriert.

Und dann ist da Lena, das Mädchen aus der Klasse unter ihnen. Keiner weiß so wirklich, was ihre Beziehung zu Christoph war. Aber auch sie trauert, auch sie findet sich nachts auf dem Friedhof ein, will eine Blume von seinem Grab als Andenken holen. Und sie ist es, die vorschlägt, mit Christophs Asche ans Meer zu fahren, seinen letzten Wunsch zu erfüllen.

Das Buch ist traurig und bewegend, aber nicht deprimierend. Es macht gleichzeitig irgendwie auch Hoffnung. Es zeigt, dass es in Ordnung ist, auf seine eigene Art zu trauern. Es zeigt, dass das Leben weitergeht, dass das aber nicht heißt, dass man sofort um Alltag zurückkehren muss und soll. Es macht Mut, der eigenen Trauer Raum zu geben. Es regt zum Nachdenken über Schuldgefühle an. Es ist einfach etwas ganz besonderes, ein Buch, das ich Jugendlichen und Erwachsenen nur empfehlen kann! Lest diese ganz besondere Geschichte, denn sie hat es verdient. Begleitet die vier Jugendlichen auf ihrem Roadtrip, auf ihrer Reise ans Meer und zu sich selbst. Begleitet sie auf dem Weg, mit der Trauer um eine geliebte Person auf ganz individuelle Weise umzugehen. Lest diese Geschichte rund um Trauer, Hoffnung und Freundschaft!


Ich hoffe, ich konnte euch etwas neugierig machen auf das Buch. Morgen wendet die Blogtour sich dann wieder den Kaninchen zu, und zwar mit einem ganz besonderen Beitrag. Schaut unbedingt bei http://kleineviecher.wordpress.com/ vorbei und lernt, wie ihr euer eigenes Kaninchen näht!

Außerdem startet morgen ein Gewinnspiel auf allen bei der Blogtour teilnehmenden Blogs. Lasst es euch nicht entgehen und schaut morgen wieder vorbei!

Kommentare:

  1. Hallo und guten Tag,

    man, was für einer ergreifende Geschichte!! Die Zeit heilt alle Wunden ist einfach ein Spruch, den man benutzt, wenn man in einer Situation keine andere Lösung, aufmunterte Worte hat/findet.

    Gerade selber Todesfall in der Familie gehabt....

    LG..Karin..

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    1. Fühl dich gedrückt, Karin!

      Und stimmt, es ist wohl etwas, das meist aus Hilflosigkeit gesagt wird.

      Liebe Grüße!

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